ICH WAR JIMIS LIEBLINGS-PLEKTRUM

ICH WAR JIMIS LIEBLINGS-PLEKTRUM


2009, fiktives Bookcover mit Pseudo-Rezension

"Ich bitte Sie - nicht noch eine Jimi Hendrix Biografie!" flehte Marcel Reich-Ranitzki kürzlich in einer ARD Talkshow. Wie dem auch sei – eins muss man dieser neunzehnten (?) Biografie des früh verstorbenen Pop-Idols zu Gute halten: die Erzählperspektive ist neu. Homer Stanton, Autor des 438 Seiten umfassenden Werks und langjähriger Roadie der JIMI HENDRIX EXPERIENCE, versetzt sich hier feinfühlig und voller Empathie in das Lieblings-Plektrum von Jimi Hendrix. (Ein Plektrum ist bekanntlich ein zumeist dreieckiges Plättchen aus Kunststoff, mit dem der Gitarrist die Saiten anschlägt.) Der Vorteil dieses Blickwinkels liegt auf der Hand: das Lieblings-Plektrum begleitet den Rockstar bei allen Höhen und Tiefen seiner Karriere, wodurch sehr persönliche, oft intime Erfahrungen geteilt werden. Nachteil: Wenn ein Plektrum eine Geschichte erzählt, ergeben sich aufgrund der anthropomorphen Sichtweise mitunter bizarre Formulierungen. Hier ein Beispiel (S. 328): "Na ja, als Jimi dann plötzlich anfing, die Gitarre mit den Zähnen zu spielen, wurde ich doch etwas eifersüchtig." – Insgesamt spiegelt die Biografie recht gut die Hippie-Atmosphäre der sechziger Jahre wieder, was auch in dem psychedelisch anmutenden Cover recht gut zur Geltung kommt. – Anmerkung: Die deutsche Übersetzung, die von Björn Waldhuber besorgt wurde, leidet unter dessen offensichtlich rudimentärem Fachwissen: wer in der Rockszene verwendete elementare Fachtermini wie z.B. "Woodstock" mit "Holzstock" und "groupie" mit "Grübchen" wiedergibt, sollte vermutlich eher Rosamunde Pilcher übersetzen. Daher möglichst die Originalausgabe des Buches lesen: I WAS JIMI'S FAVORITE FLATPICK. - © Bernd Wahlbrinck

Bernd Wahlbrinck