DER KLEINE WASSERLÄUFER

DER KLEINE WASSERLÄUFER


2005, fiktives Bookcover - Kinder- und Jugendbuch

Allegorie pur in Märchenform: Der bei uns kaum bekannte mallorquinische Kinderbuchautor Luis Romero erzählt von einem kleinen Wasserläufer namens Jesus Maria Gonzalez, der im Alter von 30 Tagen in einem Do-it-Yourself Kursus das Kunststück lernt, auf der Wasseroberfläche eines Sees zu laufen. Bald hat er eine Schar von Anhängern um sich versammelt, die gleichfalls mit mehr oder weniger Erfolg auf der Wasseroberfläche herumflitzen und ebenfalls eine Art Sendungsbewusstsein entwickeln. Mitunter wirken die allegorischen Anspielungen allerdings etwas übertrieben - so lautet beispielsweise der Name des Sees Genezareth. Auch weist ein später hinzu gestoßener Anhänger in zahlreichen Briefen (!) darauf hin, dass er seinen Namen von Raolo in Paolo geändert habe. Und die "Wunder", die Jesus Maria Gonzalez vollbringt, erscheinen bei näherem Hinsehen etwas überzogen: In einer Episode fällt beispielsweise ein kleines Insekt in den Teich und zappelt hilflos darin herum. Mit Hilfe seiner Beine, die als Vibrations-Sinnesorgane fungieren, kann Jesus Maria die Schwingungen der Wasseroberfläche wahrnehmen und so seinen hungrigen Mitläufern ein üppiges Mahl präsentieren. Jüngeren Lesern mag dies ebenso wie Jesus Marias' Jüngern sehr imponieren; wer über rudimentäre biologische Kenntnisse verfügt weiß indes, dass jeder Wasserläufer genetisch bedingt über diese Fähigkeit verfügt. Dennoch: alles in allem ein empfehlenswertes Buch. ANMERKUNG: Ob es eine brilliante Idee war, auf dem Cover eine Art Mosaikstruktur zu verwenden – der Wasserläufer ist hier nur schemenhaft zu erkennen - sei dahin gestellt. - © Bernd Wahlbrinck

Bernd Wahlbrinck