AL DENTE

AL DENTE


2007, fiktives Bookcover mit Pseudo-Rezension

CLEMENS OSTHOLZ: WER WAR EIGENTLICH AL DENTE? Tumbelwied Verlag 2007, 849 Seiten. - Alfonso Gabriel della Dente (1904-1962?), besser bekannt unter dem Namen Al Dente, war der Lieblingsneffe von Al Capone (1899-1947). Er wuchs in Neapel bei seinem Vater, einem Zahnarzt, auf und wurde 1921 von seinem Onkel nach Chicago in die USA geholt, wo gerade die Prohibitionszeit begonnen hatte. Dort machte sich Al Dente in einschlägigen Kreisen schnell einen Namen dadurch, dass er in so genannten Speakeasies illegale alkoholhaltige Nudelgerichte verkaufte; berüchtigt waren seine garantiert bissfesten "Noodles and Pins". – Diese Fakten aus der Jugend Al Dentes dürften allgemein bekannt sein und werden von Clemens Ostholz im ersten Kapitel relativ knapp abgehandelt. Was den Autor jedoch dazu getrieben hat, auf den restlichen 826 (!) Seiten den weiteren Lebensweg Al Dentes derart absurd detailliert darzustellen, entzieht sich unserer Kenntnis. Fest steht, dass man all diese Einzelheiten in wenigen Sätzen zusammenfassen kann, ohne dabei relevante Aspekte zu übergehen. Zum Beispiel so: 1934 wurde Al Dente wegen Steuerhinterziehung verurteilt und zusammen mit Al Capone nach Alcatraz überführt; das ehemalige Fort in der Bucht von San Francisco (ironischerweise von Al Catraz, Al Capones Grossvater, erbaut) war zu einem Hochsicherheitsgefängnis umfunktioniert worden. Während sein Onkel sich um eine ordentliche Führung bemühte, wurde Al Dente mehrfach der Nachtisch ersatzlos gestrichen, weil er versucht hatte, in Maccaroni-Nudeln versteckte Kassiber nach draußen zu schmuggeln. - Als sein Onkel 1939 wegen guter Führung vorzeitig entlassen wurde, verfiel Al Dente zunächst in Depressionen. Am 24. September 1957 folgte dann jedoch ein Wendepunkt in seinem Leben: Der Song "Jailhouse Rock" von Elvis Presley riss ihn urplötzlich aus seinen Depressionen und inspirierte ihn dazu, den autobiografisch angehauchten Song "The Pros and the Cons" zu schreiben. Dieser katapultierte ihn in der internen Hitparade von Alcatraz auf Platz 1, stärkte sein Selbstvertrauen und inspirierte angeblich wiederum Johnny Cash zu seinem "Folsom Prison Blues". - Al Dentes Kreativität blieb aber nicht auf die Musik beschränkt. Am 11. Juni 1962 gelang es ihm mit Hilfe von Spaghetti, deren Verfallsdatum längst abgelaufen war, einen Tunnel durch einen Lüftungsschacht zu bohren und mit zwei anderen Mithäftlingen in einem Schlauchboot zu flüchten, das sie aus Regenmänteln angefertigt hatten. Aufgrund von aus Pappmache hergestellten Köpfen, die sie auf ihre Kojen gelegt hatten, wurde ihr Verschwinden erst am folgenden Morgen bemerkt. (Der 1979 gedrehte Don Siegel Film "Escape from Alcatraz", in dem Clint Eastwood die Hauptrolle spielt, lehnt sich stark an diesen Vorfall an, wenngleich Al Dente nicht namentlich erwähnt wird.) - Das FBI führte eine groß angelegte Untersuchung durch, die aber kaum Ergebnisse zu Tage brachte. Teile des Bootes und eine wasserdichte Tasche mit einem Lasagne-Rezept und einem Gitarren-Plektrum wurden später in der Bucht von San Francisco gefunden. Heute wird allgemein angenommen, dass Al Dente und seine beiden Mithäftlinge bei ihrem Fluchtversuch ertrunken sind. - Noch heute werden in Al's Diner, einem Nobelrestaurant an der Lombard Street in San Francisco, 17 Nudelgerichte serviert, die angeblich auf Rezepten von Al Dente basieren. - © Bernd Wahlbrinck

Bernd Wahlbrinck